Seit einigen Jahren beobachten die Verfassungsschutzbehörden, dass sich der Rechtsextremismus in seinem Erscheinungsbild grundlegend verjüngt. Dominierten bis Mitte der achtziger Jahre noch rückwärtsgewandte und kriegsfixierte ältere Rechtsextremisten, so hat sich seitdem eine inzwischen verfestigte rechtsextremistische Jugendszene herausgebildet, die über eine eigene Symbolik, einen eigenen Verständigungscode und über ein breitgefächertes mediales Angebot verfügt.
In letzter Zeit rückten verstärkt auch Aktivitäten von linksextremistischen, teilweise gewaltbereiten, Gruppierungen ins Blickfeld der Sicherheitsbehörden. Die Gewaltbereitschaft von Autonomen und die Versuche von linksextremistischen Parteien, "das System" durch Bündnisse mit Nicht-Extremisten zu überwinden, bilden daher einen weiteren Schwerpunkt der Beobachtung durch den Nds. Verfassungsschutz.
Die Wanderausstellung des Niedersächsischen Verfassungsschutzes gibt einen Überblick über die aktuellen Erscheinungsformen des Rechts- und Linksextremismus. Ein kurzer Film führt in das Thema der Ausstellung ein und vermittelt einen Eindruck von den jüngeren Entwicklungen der extremistischen Szene.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Beispiele rechtsextremistischer Musik. Zwei "Musikboxen" demonstrieren eine Auswahl von jeweils zwölf rechtsextremistischen Musikstücken unterschiedlicher Stilrichtungen. Neben Liedtexten und CD-Illustration werden auf den Bildschirmen Kurzprofile der Bands sowie Angaben über Indizierung und strafrechtliche Relevanz der Musik dargeboten. Gerade weil die Musik auf emotionale Wirkung zielt und Tabus bricht, ist sie für Jugendliche verführerisch. Auf diese Weise hat die rechtsextremistische Musik und Symbolik einen Wirkungsradius erlangt, der über das von den Verfassungsschutzbehörden registrierte Potenzial hinausreicht.
In einer weiteren Media-Box erhält der Ausstellungsbesucher einen Einblick in die nur schwer kontrollierbare Nutzung des Internets durch Rechtsextremisten. Anhand der Themenfelder Vertriebe, Kameradschaften, Internetforen, Musikgruppen und Revisionismus werden Internetaktivitäten von Rechtsextremisten veranschaulicht. Es besteht die Gefahr, dass Jugendliche über den Austausch in den Foren an die rechtsextremistische Szene herangeführt werden. Deshalb wird dieses Problem in der Ausstellung differenziert dargestellt. Neben Foren und Chatrooms thematisiert dieser Part der Ausstellung den rechtsextremistischen Internet-Versandhandel sowie die Verbreitung revisionistischer, also geschichtsverfälschender Literatur. Der ideologische Gehalt solcher Machwerke ist nicht immer leicht zu erkennen. Es besteht die Gefahr, dass im Internet recherchierende Schüler unbedacht Publikationen heranziehen, die den Nationalsozialismus verherrlichen. Auch hiervor soll die Ausstellung warnen.
Die Ausstellung ist im Jahr 2010 an folgenden Orten zu besichtigen:
- Steinfeld - Don-Bosco-Schule
18. bis 29. Januar 2010
(Eröffnung durch Minister Schünemann am 14. Januar, 15.30 Uhr)
- Seelze - Rathaus
08. bis 19. Februar 2010
- Delmenhorst - Rathaus
26. Februar bis 12. März 2010
- Bremen - Haus der Wissenschaft
19. April bis 07. Mai 2010
- Lüchow - Berufsbildende Schule
31. Mai bis 11. Juni 2010
- Tostedt - Schützenhalle
23. August bis 03. September 2010
- Großburgwedel - Rathaus
07. bis 22. September 2010
- Holzminden - Schulzentrum Liebigstsraße
08. bis 19. November 2010
Zuvor war die Ausstellung in Alfeld, Aurich, Bersenbrück, Braunschweig, Buchholz, Celle, Cloppenburg, Cuxhaven, Delmenhorst, Dörverden, Emden, Garbsen, Gifhorn, Göttingen, Goslar, Hameln, Hannover, Helmstedt, Herzberg, Hildesheim, Kropp (SH), Lehrte, Munster, Nienburg, Nordhorn, Northeim, Nürnberg, Osnabrück, Osterode, Papenburg, Peine, Schneverdingen, Stade, Stuhr, Syke, Walsrode, Westerstede, Wildeshausen, Wolfenbüttel und Wunstorf zu sehen.
Führungen, insbesondere für Schulklassen (ab Klasse 8), können beim Niedersächsischen Ministerium für Inneres, Sport und Integration, Abteilung Verfassungsschutz, unter der Telefonnummer 0511/6709-569 vereinbart werden.
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