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Die Muslimbruderschaft

Die sunnitische Muslimbruderschaft (MB) ging 1928 aus einer kleinen Gruppe von Männern um den Grundschullehrer Hasan al-Banna (1906-1949) hervor, die sich als "Brüder im Dienste des Islam" verstanden. Die gesamte Geschichte des sunnitischen Islamismus des 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts ist in besonderer Weise mit dieser Organisation verbunden. Als älteste und wichtigste islamistische Organisation ist sie heute nach eigenen Angaben mit nationalen Sektionen in über 70 Ländern präsent. Ihre wichtigste Basis stellt weiterhin Ägypten dar.

Die Muslimbruderschaft ist eine hierarchisch strukturierte Organisation. Als ihr Oberhaupt fungiert der Murschid Amm, der "Allgemeine Führer". Für den Gründer al-Banna trug die Bruderschaft deutlich politische Züge, aber durch den als allumfassend angesehenen Charakter des Islams sei sie darüber hinaus eine "der körperlichen Ertüchtigung dienende Gruppe", ein "kultureller und wissenschaftlicher Verband", eine "soziale Idee" und sogar ein "Wirtschaftsunternehmen". Mit dieser universalen, auf alle Bereiche der Gesellschaft zielenden Ausrichtung war die Muslimbruderschaft vorbildgebend für den sunnitischen Islamismus des 20. Jahrhunderts.

Ziele

Die mitunter auch als "Mutterorganisation des politischen Islams" bezeichnete Muslimbruderschaft versucht, die Regierungen ihrer jeweiligen Heimatstaaten abzulösen und einen islamischen Gottesstaat auf der Grundlage der Scharia zu errichten. Dies will die MB durch eine kulturelle Durchdringung der islamischen Staaten erreichen, notfalls auch mit Gewalt. So beteiligten sich der MB zuzurechnende Gruppen in der Vergangenheit bereits an gewaltsamen Erhebungen gegen die jeweilige Staatsmacht (Syrien 1982, Algerien während der 90er Jahre). Mit diesen Zielen und entsprechenden Aktivitäten gefährden die in Deutschland lebenden Anhänger der MB die außenpolitischen Interessen der Bundesrepublik Deutschland.

Die Muslimbruderschaft in Deutschland

Auch in der Bundesrepublik Deutschland ist die MB mit rund 1.600 Anhängern in verschiedenen, in das international verflochtene Netzwerk eingebundenen Gruppierungen vertreten. Vorrangiges Ziel ist es, die hier lebenden Muslime ideologisch zu beeinflussen und für sich zu gewinnen. Die Anhänger der Muslimbruderschaft treten öffentlich kaum in Erscheinung. Die von der Organisation betriebenen Islamischen Zentren dienen zum einen als Veranstaltungsorte für politische Agitation, zum anderen haben sie als Begegnungsstätten die Funktion einer Klammer für Anhänger islamistischer Organisationen diverser Länder.

Bereits 1960 gründete sich in der Bundesrepublik Deutschland die Islamische Gemeinschaft in Deutschland e. V. (IGD), die die mitgliederstärkste Organisation von Anhängern der MB in Deutschland ist. Die IGD hat mittlerweile ihren Sitz in Köln. Vereine der Muslimbruderschaft finanzieren sich in Deutschland im Wesentlichen über Mitgliedsbeiträge, Spendensammlungen in Moscheen oder sonstige private Spenden.

Die Islamische Widerstandsbewegung HAMAS, der palästinensische Zweig der Muslimbruderschaft, ist über eine Unterorganisation in Deutschland vertreten. Ihre Interessen vertritt in der Bundesrepublik der Islamische Bund Palästina (IBP). In Niedersachsen sind nur einzelne Mitglieder und Funktionäre dieser Vereinigung ansässig. Auch für den Bereich der algerischen Muslimbrüder finden sich nur einzelne Mitglieder. In Niedersachsen ist darüber hinaus ein Verein angemeldet, von dem einige Mitglieder dem tunesischen Zweig der Muslimbruderschaft, der En-Nahda, zuzurechnen sind.

Logo der Muslimbruderschaft

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