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Scientology Organisation

Organisation

Scientology ist heute eine streng hierarchisch strukturierte, weltweit operierende Organisation, die unter der Leitung von David MISCAVIGE (Vorsitzender des Religious Technology Center) steht. Er steuert die Gesamtorganisation zusammen mit der obersten Zentrale, der "Church of Scientology International" (CSI). Die Befehlsstränge laufen von dort an das jeweilige "Kontinentale Verbindungsbüro" (Continental Liaison Office) weiter, das sich für Europa in Kopenhagen befindet. Von dort aus erfolgen die Steuerung und Kontrolle nationaler Niederlassungen.

Aufgabe des internationalen Managements ist es unter anderem, für jeden Sektor der SO Strategien und taktische Pläne zu entwickeln. Zu seinen wichtigsten Organisationseinheiten gehören folgende Einrichtungen:

  • "Sea Organization" (Sea Org), eine mit umfangreichen Machtbefugnissen ausgestattete Einrichtung, die in allen Organisationsteilen der SO Schlüsselpositionen besetzt,
  • "International Association of Scientologists" (IAS), weltweiter Verbund von Scientologen, der über Spenden und Beiträge kostspielige Kampagnen der SO finanziert,
  • "Office of Special Affairs" (OSA), Stelle für Rechtsangelegenheiten, Public Relations und geheimdienstähnliche Aktivitäten,
  • "World Institute of Scientology Enterprises" (WISE), Einrichtung, die die scientologische Technologie in die Geschäftswelt hineintragen und Wirtschaftsunternehmen kontrollieren soll,
  • "Citizens Commission on Human Rights" (CCHR), in Deutschland bekannt unter dem Namen "Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte" (KVPM) und
  • "Association for Better Living and Education" (ABLE). Weitere dem ABLE-Bereich zuzuordnende Unterorganisationen sind vor allem: - "Zentrum für individuelles und effektives Lernen" (ZIEL), - "Applied Scholastics" (Schülernachhilfe und Erwachsenenbildung), - "NARCONON" (angebliches Drogenrehabilitationsprogramnm), - "CRIMINON" (angebliches Programm zur Rehabilitation Strafgefangener), - "Sag Nein zu Drogen - sag Ja zum Leben" und - "Jugend für Menschenrechte" .

Die Scientology-Organisation in Deutschland

An der Basis des scientologischen Organisationsgefüges befinden sich die Scientology-Zentren. Derzeit existieren im Bundesgebiet neun "Kirchen" (Orgs ), von denen sich zwei als Celebrity Centres bezeichnen, und zehn "Missionen", denen nach Schätzung der Verfassungsschutzbehörden ca. 3.500 Mitglieder zuzuordnen sind.

Die Einrichtungen der SO sind in Deutschland überwiegend als eingetragene Vereine organisiert. Als Dachverband fungiert die Scientology Kirche Deutschland e. V. (SKD) mit Sitz in München. Die Vereine sind jedoch nur scheinbar selbstständig; sie haben im weltweiten, aus den USA gesteuerten System kaum eigenständige Funktionen. Das liegt daran, dass das System der SO nach den Grundsätzen von Befehl und unbedingtem Gehorsam funktioniert, indem sich jedes Mitglied einem rigiden Kontroll- und Disziplinarsystem unterwirft und Anweisungen übergeordneter Scientologen uneingeschränkt akzeptiert.

Neben den als SO-Einrichtungen zu erkennenden "Orgs" gibt es eine Vielzahl von Einzelorganisationen, die in ihrem Namen den Begriff "Scientology" nicht führen, aber dennoch scientologische Einrichtungen sind. Die in Deutschland aktivsten Gruppen sind "Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschenrechte", "Sag Nein zu Drogen - Sag Ja zum Leben" und "Jugend für Menschenrechte".

Was ist Scientology?

Mit der Veröffentlichung des Buches "Dianetik - Die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit" legte der amerikanische Science-Fiction-Autor Lafayette Ron HUBBARD (1911-1986) im Jahre 1950 den Grundstein für den Beginn der Entwicklung der Scientology-Organisation. Vier Jahre später gründete HUBBARD am 18.02.1954 die erste offizielle "Scientology-Kirche" in Los Angeles.

HUBBARD entwickelte Dianetik als Methode, "ungenutztes geistiges Potenzial und wahre Fähigkeiten" freizusetzen. Er begreift dabei den menschlichen Verstand als Datenbank, der nur dann alle Probleme lösen könne, wenn ihm vollständige und richtige Daten zur Verfügung stünden. Der Verstand bestehe aus einem "analytischen" Teil, der für Problemlösungen zuständig sei, und einem "reaktiven" Teil. In diesem seien schmerzliche Wahrnehmungen, so genannte Engramme, gespeichert, die die Problemlösung behinderten und für das Entstehen psychischer Störungen verantwortlich seien. Ziel der Dianetik ist daher, die Engramme zu löschen. Am Ende dieses schrittweisen Befreiungsprozesses soll ein Mensch mit übernatürlichen Qualitäten stehen, frei von körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen, der so genannte Clear.

Im Anschluss an die Selbsthilfemethode Dianetik, die sich ausschließlich mit Körper und Verstand befasst, aber keinerlei religiöse Ansätze enthält, erfand HUBBARD "eine Lehre des Wissens", Scientology, in der Dianetik Bestandteil ist.

In der Lehre von Scientology werden die angeblichen Grundbestandteile des Menschen, Körper und Verstand, um einen so genannten Thetan ergänzt, einer das eigene Ich darstellenden "Geist-Seele" mit übersinnlichen Kräften. Laut HUBBARD könne der Thetan seinen Körper verlassen und unabhängig von allem Körperlichen existieren. Diese "Geist-Seele" müsse erkannt und geschult werden, damit man den "Zustand der völligen geistigen Freiheit", den "Operierenden Thetan (OT)", im Anschluss an den Grad Clear erreichen könne. Nach scientologischer Ansicht steigt man auf den so genannten "OT-Stufen" zur Ewigkeit auf.

Ziel der Scientology-Organisation ist die Erschaffung eines neuen Menschen scientologischer Prägung und einer neuen ausschließlich nach scientologischen Richtlinien funktionierenden Welt. Scientology strebt die Weltherrschaft an. Die Notwendigkeit einer "Scientologisierung" der Gesellschaft wird damit begründet, dass die Welt in ihrer derzeitigen Erscheinungsform zum absoluten Untergang verurteilt sei. Die Errettung liege allein in der Anwendung scientologischer Technologie, womit die Organisation einen Absolutheitsanspruch auf den einzig wahren Heilsweg erhebt.

Scientology-Beobachtung durch den Verfassungsschut

Nach Feststellung der Ständigen Konferenz der Innenminister und -senatoren der Länder am 5./6. Juni 1997 liegen tatsächliche Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen bei der Scientology-Organisation (SO) vor. Auf der Grundlage dieses Beschlusses hat auch der Niedersächsische Verfassungsschutz nach Genehmigung durch den Innenminister im Juli 1997 mit der Beobachtung der SO begonnen.

Tatsächliche Anhaltspunkte für scientologische Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtet sind, finden ihren Ausdruck unter anderem in den programmatischen Äußerungen und Schrfiten von L. Ron HUBBARD, die nach eigenen Aussagen der Organisation unveränderliche Gültigkeit besitzen. Als Fernziel strebt die SO eine von ihr beherrschte Gesellschaftsordnung an, in der wesentliche Grund- und Menschenrechte außer Kraft gesetzt oder eingeschränkt werden sollen.

Dies stellte das Verwaltungsgericht Köln in seinem Urteil vom 11.11.2004 fest, mit dem es eine Klage der SO gegen die Beobachtung durch das Bundesamt für Verfassungsschutz abgewiesen hatte. Nach Ansicht des Verwaltungsgerichts Köln liegen tatsächliche Anhaltspunkte dafür vor, dass die SO Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung verfolgt.

Mit Urteil vom 12.02.2008 hat das OVG Münster diese Auffassung bestätigt und den Antrag auf Berufung der SO gegen die Entscheidung des VG Köln zurückgewiesen. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende des 5. Senats u.a an:
Aus den zum Teil nicht allgemein zugänglichen scientologischen Schriften sowie den Aktivitäten der SO bzw. ihrer Mitglieder ergäben sich zahlreiche Hinweise, dass SO eine Gesellschaftsordnung anstrebe, in der zentrale Verfassungswerte wie die Menschenwürde und das Recht auf Gleichbehandlung außer Kraft gesetzt oder eingeschränkt weden sollten. Insbesondere bestehe der Verdacht, dass in einer scientologischen Gesellschaft nur Scientologen die staatsbürgerlichen Rechte zustehen sollten. Es gebe aktuelle Erkenntnisse über Aktivitäten der SO, das scientologische Programm in Deutschland umzusetzen und zu diesem Zweck zu expandieren sowie scientologische Prinzipien in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft mehr zu verbreiten. Ein besonderes Augenmerk lege die SO dabei auf Berlin als Hauptstadt.

Scientology in Niedersachsen

In Niedersachsen entfaltet die Scientology-Organisation (SO) durch die „Scientology Gemeinde Hannover" keine nennenswerten Aktivitäten und ist im Gesamtgefüge der Organisation als bedeutungslos einzustufen. Die Mitgliederzahlen von ca. 300 Personen sowie die Aktivitäten von SO sind in Niedersachsen seit Jahren stagnierend bzw. rückläufig. Auf eine umfangreichere Darstellung im Verfassungsschutzbericht wird daher bei gleich bleibender Bewertung verzichtet. Aufgrund der verfassungsfeindlichen Ziele der Gesamtorganisation bleibt die SO aber auch in Niedersachsen Beobachtungsobjekt.



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